| goldene Zeiten || trendForschung | e-business Konzeption |
|||||
Die Delphi-TechnikDie Delphi-Methode (auch Delphi-Technik, Delphi-Verfahren) ist eine spezifische Methode der Expertenbefragung. Sie besteht darin:
Jeder dieser Punkte ist dabei durch Plausibilitätsüberlegungen, Erfahrungen aus der Praxis und empirische Studien, sowie Laborexperimente untermauert. Ursprünglich wurde die Delphi-Methode in 50er und 60er Jahren entwickelt als ein Verfahren zur anonymen Gruppenkommunikation unter Experten, mit dem Ziel ein Gruppenergebnis - einen Konsens - , bereinigt von Gruppenzwängen zu erhalten.
Die Delphi Methode wird am häufigsten im Bereich der Technikvorausschau angewendet. dabei trägt sie stark normative Züge: was soll gefördert werden, welche Entwicklungen eingeschlagen und warum? Anwendungsspektrum Von ihrer ersten bekannten Anwendung an, als Prognoseinstrument bei Wetten auf Pferderennen, über den Einsatz für die RAND Corporation als Prognoseinstrument in nuklearstrategischen Fragen des kalten Krieges, festigt sich das Hauptanwendungsgebiet der Delphi-Methode als ein Instrument der Prognoseerstellung. Die Experten werden gebeten Eintrittszeiträume oder Eintrittswahrscheinlichkeiten für vorgegebene zukünftige Ereignisse und Entwicklungen zu schätzen. In manchen Studien, v.a. den auf nationaler Ebene durchgeführten großangelegten Vorausschauen zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik, kommen zusätzlich Fragen zur Wichtigkeit, fördernden Maßnahmen, möglicherweise auftretenden Folgen einer zukünftigen Entwicklung etc. zum Einsatz. Die Handlungskomponente steht also auch hier schon, wenn auch nur in groben Zügen, zur Debatte. „Die Delphi-Methode kann aber auch zur Definition und Strukturierung eines Untersuchungsgebietes wie auch zur Technikfolgenabschätzung und –bewertung eingesetzt werden...“[Grupp 1995] Das heisst nicht nur die Vorausschau, sondern alle ungewissen Fragestellungen, die i.d.R. von Experten beurteilt werden müssen, können mit der Delphi-Methode angegangen werden. So können z.B. in einer sogenannten nullten Runde einer Delphi-Vorausschau die zu beurteilenden Fragen bzw. Visionen von den selben Experten ausgehandelt werden. Neben den auf quantitative Informationsgewinnung gerichteten Delphi-Befragungen wurden u.a. folgende Anwendungen in der Literatur vorgeschlagen und in der Praxis erprobt:
Neben den klassischen ‚Paper and pencil’ Delphis werden auch immer wieder real-time Delphis im Computer-Dialog diskutiert. Die Vorteile dieser Vorgehensweise betreffen nicht nur den organisatorischen Zeitgewinn, sondern auch die auf diese Weise mögliche höhere Interaktionshäufigkeit der Experten, die zur Verfügung Stellung von einsehbaren und für alle gleichen Zusatzinformationen zu den Fragen, der Ausräumung von Missverständnissen in der Fragenformulierung, dem schnelleren Feedback etc. Die letzte deutschlandweit durchgeführte Delphi-Befragung zur Entwicklung von Wissenschaft & Technik wurde 1998 fertiggestellt und veröffentlicht. Leitfrage der Studie war, auf welchen Innovationsgebieten in den nächsten 30 Jahren deutliche Fortschritte zu erwarten seien. Welche fördernden Maßnahmen die jeweilige Innovation lancieren könnten und welche unerwünschten Folgen durch sie möglicherweise auftreten könnten. Daneben interessiert in diesem Kontext die Kompetenzstärke aus der Ländertriade USA, Japan, Europa, mit besonderem Ausweis für Deutschland, sowie für nicht-europäische Länder. Nutzung Wie kann nun der umfangreiche Datenbestand einer großangelegten Delphi-Befragung genutzt werden? Zum einen können natürlich die interessierenden konkreten Entwicklungen direkt nachgeschlagen werden. Der Leser findet statistisch verdichtete Einschätzungen einer bestimmten technologischen Entwicklung, ausgewiesen nach der höchsten Fachkenntnis und nach den Gesamtmittelwerten. Alle anderen Auswertungen müssen Unternehmen suchen im Datenmaterial diejeniegen Thesen aus, die für das Unternehmen relevant sind oder sein könnten. Die Themen konnten dann in Arbeitsgruppen wieder geordnet und weiter ausgearbeitet werden, um so zu einer spezifischen Strategie zu gelangen. Die deutschen Verbände, wie z.B. der Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) oder der Verband der deutschen Maschinenbauindustrie (VDMA) nutzen das Material in dem sie die für ihre Branche relevanten Themen auflisteten und thematisch verdichteten, um die richtungsweisenden Entwicklungen an die Mitglieder zu übermitteln. Stärken-Schwächen-Profile sind eine weitere Möglichkeit der Verwertung der Delphi Ergebnisse. Die Schweiz und einige deutsche Bundesländer liessen entsprechende Untersuchungen durchführen, um so demn Bedarf und den aktuellen Bestand an qualifizierten Personal zu erkunden. Auf staatlicher Ebene interessiert natürlich die optimale Verteilung der Mittel auf existierende oder in Genehmigung befindliche Forschungsprogramme. Eine interessante Verwendung der Delphi-Ergebnisse hat die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) vorgenommen, durch einen Abgleich ihres Portfolios mit den Zukunftsthemen des Delphi. Dabei wurde zunächst ein FhG-Relevanz-Index erstellt der eine gewichtete Kombination aus den Angaben zum Bedarf an einer Verbesserung der Forschungsinfrastruktur als wichtige Maßnahme zur Realisierung der These, ihrem Verwirklichungszeitraum und ihrem Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung darstelt. Die Delphi-Thesen wurden nun gemäß diesem Index geordnet, d.h. höhere Werte für höhere wirtschaftliche Relevanz und Forschungsbedarf, sowie nahem Verwirklichungszeitraum. Den so angeordneten Thesen konnten sodann die FhG-Kompetenzen, gemessen an der Anzahl der FhG-Institute und Wissenschaftler-Jahre pro Jahr, die an konkreten Projekten zum Thema arbeiten, zugeordnet werden. Die grafische Darstellung eignet sich sodann für die Beurteilung der Posizionierung der Fraunhofer Gesellschaft sowie ihrer Chancen auf Zukunftsmärkten mitzuspielen.
methoden der zukunftsforschung : [szenario-technik] [kreativitätstechniken]
|
|||||