„The Age of Surveillance Capitalism“ – in a nutshell

Meine jüngste Lektüre gehört zu einer Reihe von Buchrezensionen und Buchempfehlungen zu Digitaltechnologien, die ich hier teilen möchte.

„The Age of Surveillance Capitalism“ ist ein Buch von Shoshana Zuboff (2018), in dem sie argumentiert, dass eine neue Wirtschaftsordnung, der Überwachungskapitalismus oder englisch surveillance capitalism entstanden ist, in der Unternehmen durch das Sammeln und Analysieren riesiger Mengen an persönlichen Daten von Einzelpersonen profitieren. Was früher Datenabfall war, wird heute zum profitabelsten Rohstoff der Welt: unsere Klicks, Suchanfragen und Bewegungen.

Das Buch gilt als Standardwerk der kritischen Digitalökonomie und wird in den Sozial- und Politikwissenschaften breit diskutiert – nicht zuletzt wegen seiner radikalen Warnung vor einer Erosion demokratischer Grundprinzipien.

Warum wissen Google und Facebook oft mehr über uns als wir selbst?

Es ist eine tiefgreifende und reichhaltige Analyse, zu deren wichtigsten Erkenntnissen diese gehören:

  • Der Überwachungskapitalismus ist eine neue Wirtschaftsordnung, in der Unternehmen durch das Sammeln und Analysieren riesiger Mengen personenbezogener Daten von Einzelpersonen Gewinne erzielen.
  • Diese neue Form des Kapitalismus hat ihre Wurzeln in der digitalen Revolution und dem Aufstieg des Internets.
  • Unternehmen wie Google und Facebook haben ihre Geschäftsmodelle auf der Sammlung und Analyse persönlicher Daten aufgebaut, die sie nutzen, um Werbung und andere Dienste gezielt auf einzelne Nutzer auszurichten.
  • Zuboff argumentiert, dass diese neue Form des Kapitalismus eine Bedrohung für die Privatsphäre und Autonomie des Einzelnen sowie für demokratische Gesellschaften im Allgemeinen darstellt.
  • In dem Buch werden neue Vorschriften und politische Maßnahmen gefordert, um die Macht des Überwachungskapitalismus einzudämmen und die Rechte und die Privatsphäre des Einzelnen zu schützen.
  • Das Buch unterstreicht auch die Bedeutung des Bewusstseins des Einzelnen über die Daten, die er zur Verfügung stellt, und die Kontrolle, die er darüber haben sollte.

Manche finden, dass Zuboff zu stark alarmistisch argumentiert und alternative Perspektiven (z. B. ökonomische Vorteile datengetriebener Innovation) zu wenig beleuchtet. Andere wiederum loben die analytische Wucht, kritisieren aber, dass das Buch wenig konkrete Lösungen bietet.

Sie untersuchtjedoch auch die möglichen Alternativen zum Überwachungskapitalismus, wie z. B. einen „menschenzentrierten Kapitalismus“, der die Rechte und die Würde des Einzelnen respektiert. Die Gefahr, so Zuboff, ist ein System, das nicht nur unser Konsumverhalten lenkt, sondern auch politische Prozesse und soziale Beziehungen untergräbt.

Spannend für Kulturwissenschaftler und Soziologen:

Spannend ist für mich als Kulturwissenschaftlerin, wie selbstverständlich wir alle mitspielen. Wir klicken, liken und sharen wie wild. Und wir nehmen kaum wahr, dass unsere Vorstellung von Autonomie längst Teil eines ökonomischen Kalküls geworden ist. Das macht Zuboffs Buch so radikal: Es zeigt, dass es nicht um Technik allein geht, sondern um die Neudefinition dessen, was ein ‚freier Mensch‘ im 21. Jahrhundert überhaupt sein kann.

Wie viel Fremdbestimmung wollen wir eigentlich? Und wie viel Verantwortung übernehmen wir selbst? Vielleicht beginnt Widerstand ja schon damit, den nächsten ‚Akzeptieren‘-Button nicht gedankenlos wegzuklicken.
Oder, wie Zuboff es formuliert: Wir brauchen einen menschenzentrierten Kapitalismus, der uns nicht als Rohstoff betrachtet. Klingt utopisch? Ja. Aber ehrlich gesagt: lieber eine Utopie als ein Geschäftsmodell, das uns Schritt für Schritt abschafft.

Das Buch ist ebenfalls auf deutsch erschienen: „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ und hier gibt es einen netten Blogartikel dazu von Philipp Schaumann.

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